Zum Hauptinhalt springen

Fünf Jahre

Jonna Karstädt

Fünf Jahre liegen hinter uns. Fünf Jahre, in denen wir viele Texte geschrieben und viele Worte gesprochen haben. Immer mit dem Ziel, den Menschen in Mitte zu helfen und dort zu unterstützen, wo es nur geht. Wie dringend...

Wie dringend diese Unterstützung gebraucht wird, zeigte sich in der letzten Wahlperiode auch auf dem Wohnungsmarkt. Zusätzlich zu den teils unbezahlbaren Mieten war sich manch ein Vermieter nicht zu schade, Wohnungen zu zerstören und verkommen zu lassen. So erging es den Menschen in der Habersaathstraße, denen der Strom und das Wasser abgestellt, sowie Wohnungstüren vermauert wurden. Dort, sowie in der Novalisstraße, in der Kolonie 10, in der Tegeler Straße und in der Groninger Straße, in der Jagowstraße und Seestraße haben wir nicht nur Mieter*innen unterstützt, sondern auch das Bezirksamt mit An- und Nachfragen gelöchert. Um langfristig gegen diese unaushaltbare Situation anzukommen, baten wir das Bezirksamt, Personalstellen gegen Mietwucher einzurichten, was wie gewünscht geschah: Mittlerweile gibt es Mitarbeitende im Rathaus, die gezielt gegen illegal und zu hoch vermietete Wohnungen vorgehen. 

Nun, der Gerechtigkeitssinn endet für uns nicht an der Wohnungstür, er reicht noch mindestens bis in unser Rathaus Mitte. Ein kleiner, aber wichtiger Meilenstein für die Gleichstellung ist uns gelungen: Dank unseres Antrags wurden in den Rathaustoiletten Spender mit Tampons und Binden installiert. Dass Menstruationsprodukte nun öffentlich und gratis verfügbar sind, setzt ein wichtiges Zeichen. 

Wir verbleiben mit einem stetigen Genuss von noch immer vorhandenen Radwegen, gegen die sich so manche Partei sträubte. Unser Radverkehrsnetz glänzt mit Fahrradstraßen, abgeschliffenem Kopfsteinpflaster und neu kolorierten Fahrradwegen, die uns unmittelbar zu Orten führen, die wir im Sinne einer zeitgemäßen und würdevollen Erinnerungskultur neu gestaltet haben. Allesamt sind wir munter, einen ehemalig namenlosen Platz nach der Widerstandskämpferin Franziska Bereit benannt zu haben. Ihr Durchhaltevermögen und Engagement bleiben unvergessen. Jetzt wird jedes Mal an sie gedacht, sobald ein Fuß auf diesen Platz gesetzt. Und dort, wo es nötig ist, haben wir Namen zeitgemäß ausgetauscht. Eine Möhrenstraße ist temporär durchaus eine aushaltbare Abwandlung, doch haben koloniale Straßennamen in unserer Gegenwart keinen Platz. Stattdessen gehören sie entsprechend ausgetauscht. Für die Anton-Wilhelm-Amo-Straße haben wir uns über Jahre hinweg unaufhörlich eingesetzt, der Erfolg dessen steht nun geschrieben. 

Jedoch bedarf es bei der Erschaffung einer gerechten Welt neben der Umbenennung von Straßen noch an weiterer Handlung. Als uns aus muslimischer und jüdischer Gemeinde der Wunsch nach Unterstützung erreichte, baten wir das Bezirksamt einen Menschen zu beauftragen, der bei antimuslimischem Rassismus und Antisemitismuserfahrungen beratend zur Seite steht. Wir sind sehr erfreut über die dadurch entstehende Sichtbarkeit und über die Hilfe, die nun zur Verfügung steht.

Zwar nicht beratend, aber informierend steht auch das ein oder andere Kieztäfelchen in Mitte. Diese von uns zur Platzierung gewünschten Tafeln mit analog aufgeführtem Wissen über Lokales sind wichtig, da sie sowohl den Alltag mit Veranstaltungen, als auch den ein oder anderen Stadtteil mit ihrer Existenz schmücken. 

Und selbst als die Zukunft unserer Jugendklubs und Familienzentren nach dem ersten schwarz-roten Landeshaushalt auf dem Spiel stand, hat sich gezeigt, dass Politik im Sinne der Menschen möglich ist, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint. Es sind uns alle Einrichtungen erhalten geblieben, die in Mitte nachbarschaftlich sehr wichtige Arbeit leisten. Mit ihren kompetenten Teams leisten sie weiterhin eine unersetzliche nachbarschaftliche Arbeit.

 

Wir verabschieden uns und danken.

Zurück zum Kopf der Seite